Achtsamkeit und Trauer – Lichtblicke

Achtsamkeit und Trauer

Ich hatte am Anfang ein Bild von meiner Trauer.

Insbesondere zu Beginn unserer „Beziehung“ hatte ich das Gefühl, die Trauer ist wie eine dicke, schwarze, undurchsichtige Decke. Sie lag schwer und drückend auf mir. Ich hatte das Gefühl alle anderen Gefühle, insbesondere meine Lebensfreude wurden davon „zugedeckt“. Auch hatte ich manchmal Sorge, sie würde mich „erdrücken“.

Schon nach relativ kurzer Zeit merkte ich jedoch, dass so eine Decke mich auch warm halten kann, meine Liebe zum Verstorbenen warm halten kann. Sie kann mich schützen und abschirmen. Abschirmen von all dem Lärm um mich herum, vor zu vielen anderen Gefühlen. Ich kann meine Traurigkeit geschützt fühlen. In eine Decke kann ich mich einkuscheln, einhüllen – mir damit ein Nest bauen und somit für einen behüteten Platz schaffen.

Das Bild bzw. meine Deutung davon änderte sich. Ich merkte, dass die Trauerdecke winzige kleine Löcher bekam, wie kleine „Einstiche“ durch die Licht hereinfällt. Immer dann, wenn ich mit der Trauer „trotzdem“ lachen konnte (und es gab echt teilweise sogar Lachflashs) oder wenn ich Momente meiner Lebensfreude spürte. Es kam immer weitere Löcher hinzu, dann wenn ich Umarmungen von liebenden Menschen bekam, liebe Wort hörte, kleine Gesten der Mitmenschlichkeit wahrnahm, die kleinen „früher selbstverständlichen“ Wunder in meinem Umfeld sah, wenn ich „Zeichen von meinem verstorbenen Mann“ erhielt, usw.
Meine Trauer wurde zur eine durchlässigen „Spitzendecke“, es fiel Licht durch sie herein. Sie wurde leichter und transparenter.

Ich bemerkte immer mehr, dass tatsächlich nur die Interpretation meines Bildes bzw. meines Gefühls „Trauer“ mich gut oder schlecht fühlen lies. Immer wieder spürte ich, wenn ich das eigentlich Gefühl „einfach nur sein lassen kann“ ohne mein Drama dazu zu spinnen, dann – ja dann, fühle ich einfach nur. Und es wurde jedes Gefühl einfach nur „zu einem Gefühl“ und nicht zu einem guten oder schlechten Gefühl.

Glücklicherweise hatte ich Zugriff auf mein „innerstes Wissen“. In dem Moment in dem ich erkannte, dass, wenn ich die Gefühle nicht kategorisiere, das Erleben ein reines Spüren ist.

Heute weiß ich, dass dieser Umgang mit der Trauer, gelebte Achtsamkeit ist.

Endlich da! Unser Kuscheltier aus den Lieblings-Tshirts von Dirk

Schon kurz nach dem Tod von Dirk war ich über einen Facebook-Post auf Mapapu (Mama-Papa-Puppe) aufmerksam geworden. Aus der Kleidung des Verstorbenen wird in liebevoller Handarbeit ein Kuscheltier in Handarbeit „geboren“. Was ist das denn für eine tolle Idee!

Ich hatte Dirks Lieblings-T-Shirt vor 5 Jahren an einen sicheren Ort gelegt und hatte es bis vor ca. 3 Monaten jedoch nicht geschafft, diese für das Kuscheltier herzugeben und zerschneiden zu lassen.

Doch, jetzt war die Zeit für etwas „Neues“ da – ich habe mich also mit Mapapu in Verbindung gesetzt und unseren Mapapu in Auftrag gegeben. Der Kontakt zu Hendrik Lind von Mapapu war offen, sehr freundlich und einfühlsam. Tatsächlich hatte ich durch den persönlichen Kontakt den Eindruck, er ist wirklich an jeder einzelnen Geschichte interessiert.

Zur Erstellung des Mapapu werden Fotos, Erzählungen und Kleidungsstücke des Verstorbenen genutzt, damit die Puppe „die Seele“ widerspiegeln kann.

Gestern hat uns nun unsere Dirk-Mapapu endlich erreicht – unsere Tochter und ich haben unter enormer Vorfreude das große Paket geöffnet.

Da lachte er uns entgegen – mir schwappte direkt das Herz über und die ersten Tränen flossen. Endlich ist die Liebe wieder „fühlbar“! Ich empfinde das Kuscheltier als so wertvoll, es „relativ schwer“ und dadurch so gewichtig – auch Erwachsene (unsere Tochter ist jetzt 19 Jahre alt) können es gut in den Arm nehmen.

Jetzt sitzt „Dirk“ wieder bei uns´, mitten im Wohnzimmer im Chefsessel und wenn Lara auszieht, darf sie ihn mitnehmen.

Grüße vom Verstorbenen – Der Mohn meines Mannes

Der Mohn meines Mannes

Mein geliebter Mann Dirk ging im April 2013 nach einem glücklichen und erfüllten Leben von uns. Meine Tochter Lara (13) und ich (44) verloren einen wundervollen Menschen, aber wie sich herausstellen sollte, verloren wir ihn nicht wirklich. Die Diagnose war damals kurz und schmerzvoll: Magenkrebs mit Metastasen in der Leber. Lebenserwartung noch maximal drei bis vier Monate. Dirk ging nicht Fallschirmspringen oder stieg auf den Kilimandscharo.

Er ging hinaus in den Garten und gestaltete diesen komplett um, weil er wusste, dass ich unseren Garten liebte. Er wollte seinen beiden Frauen etwas Wunderschönes hinterlassen, und das schaffte er auch.

Aus den drei Monaten wurden zwei Jahre. Dirks Lebenswillen hielt den Tod auf Distanz, und er hatte bis zum Ende ein angenehmes Leben. Diese zwei Jahre waren ein echtes Geschenk für uns alle. Geschenkte Lebenszeit – keine Leidenszeit. In seinen letzten Monaten baute er noch einen herrlichen Schwimmteich in den Garten.

Davon hatte ich immer geträumt. Er übertraf alle Erwartungen

In den 22 Jahren unserer Ehe hatte Dirk mir zum Geburtstag im Juni oft Mohnblumen geschenkt, meine absoluten Lieblingsblumen. Ich mochte sie so sehr, weil ihre roten Blütenblätter so unendlich weich und zart waren.

Ich verband die prächtigen, wild roten, fröhlichen Blumen immer mit schönen, heißen Sommern und mit den Kornfeldern meiner Heimat. Stolz erheben sie ihre Köpfe und haben noch nicht mal vor der Hitze der Sonne Angst. Dabei sind sie so zart, dass es reicht, ein wenig zu pusten, um ihre Blätter der Erde zu schenken. Die Pflanzen blühen in der Zeit von Mai bis September. Die Blüten halten meist nur einen Tag und fallen dann ab.

Mohn hatte für mich aber immer zwei Gesichter … und zwei Seelen. Im Volksmund wird er auch „Pflanze des Lebens und des Todes“ genannt, denn er kann heilen und töten. Die Mohnblume wird auch oft als Zeichen der Vergänglichkeit gedeutet. Heute noch blüht sie wunderschön, morgen schon verliert sie alle Blätter.

In der früher noch oft gebräuchlichen Sprache der Blumen hat der rote Mohn eine ganz besondere Bedeutung: Er soll Trost spenden. Mein Mann kannte mich in- und auswendig, und er wusste, dass es mich immer vor den dunklen Tagen des Herbstes grauste, wenn die Abende wieder so kalt waren, dass man nicht mehr draußen sitzen konnte.

Als ich am dritten Oktober (übrigens der Geburtstag seines Vaters) in den Garten hinausging, stockte mir der Atem, und Tränen schossen mir aus den Augen … Am Ufer unseres Teichs stand eine rot blühende Mohnpflanze, die ich am Tag davor noch nicht bemerkt hatte. Als hätte sie jemand über Nacht dort eingepflanzt. Wir hatten dort aber auch nie Mohn gepflanzt. Die Samen mussten vom Wind herübergeweht worden sein, um mir in meinem Herbst Trost zu spenden.

Von dem Tag an ging ich jeden Morgen lächelnd und weinend in den Garten, um mich von meinen Blumen trösten zu lassen. Ich redete mit ihnen und bedankte mich bei meinem Mann, dass er mir dieses Wunder geschenkt hatte.

Doch das wahre Wunder war, dass dieser Mohn kein einziges seiner Blütenblätter verlor. Bis zum heutigen Tag, sechs Wochen nachdem ich ihn entdeckt hatte, blüht er trotz Kälte und Herbststürmen noch wie am Anfang! Bis Anfang Dezember hält er seine zarten Blüten und begleitet mich so durch die traurigste Jahreszeit. Ein liebendleuchtend roter Gruß in tristen und grauen Tagen.

Unser Mohn trotzte – wie unsere Liebe – den Stürmen des Lebens … wider allen Regeln und Naturgesetzen.
Er hat für mich heute nur noch ein Gesicht und eine Seele. Er ist die Blume des Lebens, – des ewigen Lebens.

Danke, dass du uns diesen Trost geschenkt hast, Dirk! Wir wissen jetzt, dass du immer bei uns bist …

In ewiger Liebe, Claudia und Lara

Achtsamkeit bei Trauer …. und Lebenslust

Achtsamkeit und Trauer

Ich hatte schon direkt am Anfang ein Bild von meiner Trauer.Marineblau Samt Stoff Textilien Samt Samt

Insbesondere zu Beginn unserer „Beziehung“ hatte ich das Gefühl, die Trauer ist wie eine dicke, schwarze, undurchsichtige Decke.
Sie lag schwer und drückend auf mir. Ich hatte das Gefühl alle anderen Gefühle,
insbesondere meine Lebensfreude, wurden davon „zugedeckt“.
Auch hatte ich manchmal Sorge, sie würde mich „erdrücken“.

Schon nach relativ kurzer Zeit merkte ich jedoch, dass so eine Decke mich auch warm halten kann – meine Liebe zum Verstorbenen warm halten kann. Sie kann mich schützen und abschirmen. Abschirmen von all dem Lärm um mich herum, vor zu vielen anderen Gefühlen.

Ich kann mich durch meine Traurigkeit geschützt fühlen. In eine Decke kann ich mich einkuscheln, einhüllen – mir damit ein Nest bauen und somit für einen behüteten Platz schaffen. So konnte ich das ich auch mit der Trauer.

Das Bild bzw. meine Deutung davon änderte sich. Ich merkte, dass die Trauerdecke winzige kleine Löcher bekam, wie kleine „Einstiche“ durch die Licht hereinfällt. Immer dann, wenn ich mit der Trauer „trotzdem“ lachen konnte (und es gab echt teilweise sogar Lachflashs) oder wenn ich Momente meiner Lebensfreude spürte. Es kam immer weitere Löcher hinzu, dann wenn ich Umarmungen von liebenden Menschen bekam, liebe Wort hörte, kleine Gesten der Mitmenschlichkeit wahrnahm, die kleinen „früher selbstverständlichen“ Wunder in meinem Umfeld sah, wenn ich „Zeichen von meinem verstorbenen Mann“ erhielt, usw.

Spitze, Tüll, Rock, Lem, SchwarzMeine Trauer wurde zur einer
durchlässigen „Spitzendecke“,
es fiel Licht durch sie herein.
Sie wurde leichter und transparenter.

Ich bemerkte immer mehr, dass tatsächlich nur die Interpretation meines Bildes bzw. meines Gefühls „Trauer“ mich gut oder schlecht fühlen lies. Immer wieder spürte ich, wenn ich das eigentlich Gefühl „einfach nur sein lassen kann“ ohne mein Drama dazu zu spinnen, dann – ja dann, fühle ich einfach nur.

Und es wurde jedes Gefühl einfach nur „zu einem Gefühl“ und nicht zu einem guten oder schlechten Gefühl.

Glücklicherweise hatte ich Zugriff auf mein „innerstes Wissen“, über das wir alle verfügen. In dem Moment, in dem ich erkannte, dass, wenn ich die Gefühle nicht bewerte, das Erleben nur ein reines Spüren und Fühlen ist.

Heute weiß ich, dass dieser Umgang mit der Trauer, gelebte Achtsamkeit ist.

Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, wie Achtsamkeit dir hilft deine Trauer natürlich und „gesund“ zu er-leben, in diesem Video erzähle ich darüber:

Seifenblasen in den Himmel steigen lassen

Tolle Idee – insbesondere für Kinder

Da Luftballons fliegen lassen, nicht wirklich umweltfreundlich ist (weil deren Reste aus Gummi bzw. Plastik nicht verrotten) finde ich das eine gute Alternative! Vielen Dank an Sarggeschichten:

Wir lieben Seifenblasen… etwas fliegen lassen ist oft ein Bedürfnis von Trauernden. Im Gegensatz zu Luftballons sind Seifenblasen noch viel zarter und flüchtiger. Sie spiegeln alle Farben des Regenbogens und schillern für einen kurzen Moment in aller Schönheit bevor sie dann davon fliegen und sich in Luft auflösen. So kann man sich auch das Leben denken: zart, zerbrechlich, aber leuchtend bunt und wunderbar.
Seifenblasen kann man aber immer dabei haben, nicht nur in Trauer auch in Freude und im Sommer sowieso.

Claudias Tagebuch

Hier wird Claudia in Zukunft über ihre Erfahrungen berichten, um Euch Mut zu machen, Euren Weg zu gehen, wie hart er auch scheinen mag.